|
Anschließend
fuhr die Gruppe nach Straubing zur Molkerei, wo sich noch einmal 10 Personen
anschlossen. Der hohe Besucheranteil zeigt deutlich, dass das Interesse an den
in der Region erzeugten Produkten sehr groß ist und der vom Arbeitsgruppenleiter
Rainer Pasta initiierte „Tag des regionalen Produkts“ auch weiterhin seine
Berechtigung hat.
Das Milchwerk Straubing, seit 2000
integriert in die Goldsteig-Gruppe, konnte sich erst nach mehreren Anläufen für
den "Tag der Milch" öffnen; zu groß schienen die Schwierigkeiten einen
Produktionsbetrieb für Lebensmittel zu besuchen. Nachdem man sich auf eine reine
Informationsrunde ohne Betriebsbesichtigung beschränkt hatte, konnte endlich
grünes Licht gegeben werden. Begrüßt wurde die Gruppe vom Vorsitzenden Karl
Steinkirchner aus Cham und Betriebsleiter Haberl aus Straubing. Nach einer
kurzen Einführung durch Herrn Steinkirchner und der Begrüßung durch 2.
Vorsitzenden Volkhard Nixdorf wurde der Gruppe im vollen Sitzungssaal an Hand
eines kurzen Filmes die Goldsteiggruppe und deren Produktionsweise vorgestellt.
7 Milchwerke bilden die Goldsteig-Gruppe - Cham und Plattling als
Gründungsmitglieder (1992), Regen, Niederwinkling, Hartkirchen, Tittling,
Straubing- in ihnen werden pro Tag 1,5 Mio. Liter Milch verarbeitet, die mit 50
Sammel-LKW zu den Milchwerken gebracht werden. Neben der "weißen Linie" (Milch,
Joghurt, Sahne, Butter) werden die verschiedensten Käse hergestellt - Die
Goldsteig-Gruppe ist u.a. größter Mozzarella-Hersteller Deutschlands. Im Film
wurde die Produktion von Mozzarella und Hartkäses beispielhaft dargestellt;
ebenso die fortlaufende Qualitätskontrolle im eigenen Labor. Besonders
beeindruckend ist das neue Hochregallager in Cham (Investitionssumme 30 Mio.
DM), in dem 17 000 Paletten in 4 Klimazonen gelagert werden können und das
dadurch ein hochmodernes und effektives Logistikzentrum ermöglicht, in dem
täglich 1000 Paletten ausgeliefert werden.
Karl Steinkirchner ging anschließend auf die Zwänge ein, die dazu führten, dass
sich die kleinen Molkereien zusammenschlossen und dass durch Rationalisierung
viele Arbeitsplätze abgebaut wurden. Einerseits, so Steinkirchner, öffnete der
hohe DM-Kurs ausländischen Produzenten( Neuseeland, Australien) Tür und Tor ,
zum anderen verlangt der sich immer mehr konzentrierende Lebensmittelgroßhandel
(hier bestimmen 5 Firmen über ¾ des Marktes) eine höhere Lieferleistung und
niedrigere Preise. Auch hier ist wieder der Verbraucher als Verursacher
ausgemacht worden - 95-98% kaufen in den Supermärkten ihre Lebensmittel ein -
damit bekommen die Lebensmittelmultis immer mehr Macht und Einfluß. Dem entgegen
können die Milchwerke nur durch Fusion und Konzentration ihr Angebot vermehren
und damit krisensicherer machen, andererseits noch billiger produzieren.
Denn
nur der Preis bestimmt, ob die Produzenten in Europa weiterexistieren können -
Qualität ist Voraussetzung. Durch die Blockbildung im Einzugsgebiet und die
Erweiterung der Liefermöglichkeiten hat sich die Goldsteig-Gruppe eine gute
Existenzgrundlage geschaffen, so Steinkirchner, nur wird man nicht um hinkommen
die 7 Standorte (mit z.Z. ca. 600 Beschäftigten) auf 5 zu reduzieren und durch
weitere Produktinnovationen sein Bestehen zu sichern.
Karl Heil, Landwirt aus Hofkirchen und Vorstandsvorsitzender im Milchwerk
Straubing, erläuterte anschließend die Zusammensetzung der ca. 6100 Lieferanten
und die politische Forderung zur Verkleinerung der derzeitigen
landwirtschaftlichen Betriebe. Rund die Hälfte der Lieferanten sind in der
Kategorie 20 000-100000 Liter/Jahr einzustufen - und das sind, so Heil, kleine
Familienbetriebe, lediglich 14 Betriebe liefern 500 000 Liter (mit ca. 100
Milchkühen Bestand). Der Milchpreis liegt z:Z. bei 65-66 Pfennigen/Liter, wobei
der Preis der Goldsteig-Gruppe sich im oberen Drittel im südbayerischen Raum
befindet. Alles in allem ist es gelungen für die Molkereien und die
Milchviehbetriebe eine zukunfts- und leistungsfähige Konstellation zu schaffen,
die gute Qualität liefern und damit auf dem Markt bestehen kann. Auf die Frage
nach der Zukunft in Bezug auf die Osterweiterung der EU erwiderte Steinkirchner,
dass die östlichen Nachbarn, vor allem Tschechien, bereits heute über den
Standard in Deutschland verfügen und sich sicherlich hier in Zukunft einiges
verändern wird - hoffentlich zu beiderseitigem Nutzen. Eine weitere Frage
befasste sich mit der Produktion von biologischen Produkten. Hierauf erklärte
Steinkirchner, dass dem nichts im Wege steht, da die Technik die gleiche ist,
nur die Erfassung der weit verbreiteten Lieferanten bereite einige
Schwierigkeiten - doch auch dies sei lediglich ein Problem der Kosten - "was der
Verbraucher will - das machen wir" - so brachte Steinkirchner das Problem erneut
auf den Punkt.
Ein besonderes Thema war die Tatsache, dass immer mehr Handelsketten (z.B.
Edeka, Real, Metro..) eigene Handelsmarken anbieten, in deren Verpackung aber
das selbe Produkt steckt - dies führte zu angeregter Diskussion. Der
Goldsteig-Mozzarella wird u.a. unter den Marken Mibell (Edeka, Neukauf), Tip
(Metro) oder Milbona (Lidl) angeboten. Dies hat den Sinn, dass die Verbraucher
sich nicht an den Namen eines Herstellers gewöhnen und dieses Produkt unbedingt
haben wollen, andererseits der Produzent jederzeit ausgetauscht werden kann.
Die Herkunft eines Produktes kann lediglich durch die Veterinärkontrollnummer
auf der Verpackung bestimmt werden: Für Straubing steht "D - BY 291 EWG" - also
streiten Sie nicht darüber welcher Mozzarella besser schmeckt - alles ist von
Goldsteig: "sooo ein Käse"
Volkhard Nixdorf bedankte sich bei den Referenten und bei Frau Gahr, für die
interessante Darstellung und für die vielen Probepackungen der
Goldsteig-Produkte, die die Teilnehmer zur Verkostung mitnehmen konnten.
|