Themenkreis: Regionale Produkte
Zuckerrüben-Tag der ArGe Naherholung am 30.10.99
Ca. 30 Teilnehmer trafen sich am
Samstag den 30.11 in Mallersdorf um beim Zückerrübentag der ArGe-Naherholung
den Weg des Zuckers vom Feld bis zur Tasse mitzuerleben. Nach der Besichtigung
des Erntevorgangs bei der Rodegemeinschaft Pienkofen fuhr die Gruppe in die
Zuckerfabrik nach Regensburg, wo neben einem Informationsfilm die Besichtigung
der Fabrik auf dem Programm stand.
Als erstes stand die Fahrt nach Pienkofen zur Vorführung der Zuckerrübenernte der dortigen Rodegemeinschaft auf dem Programm. Zur Begrüßung erläuterte Herr Singer vom Landwirtschaftsamt die wesentliche Verbesserung des Zuckerrübenanbaues durch die modernen Vollernter.
Waren vor ca. 40 Jahren 300 Arbeitsstunden (von der Feldbestellung zur Ernte) pro Hektar Zuckerrüben nötig, sind es heute nur noch 10-15 Akh/ha (ähnlich wie bei Getreide). Eine bedeutende Erleichterung ist auch das Arbeiten aus der Gare ( Ernte erfolgt vor dem Gerät wie beim Mähdrescher), das die Ernte weitgehend Wetter unabhängig macht. Anschließend erfolgte die Begrüßung durch den Einsatzleiter und des Fahrer des Vollernters der Rodegemeinschaft Pienkofen, die 380ha Zuckerrüben bearbeiten.
Vorgestellt wurde den interessierten
Teilnehmern die neueste Zuckerrübenernte-Maschine mit 420 PS,16to Zuckerrüben-Bunker
und einem Gewicht von ca. 24 to. Die hochwertigen
hydrostatischen Motoren, die stufenlos regelbar sind, verbrauchen nur 45l
Kraftstoff /ha. Mit 3,30 Breite erntet die Maschine 6
Reihen Zuckerrüben gleichzeitig und 1-2
Hektar pro Stunde. Eine Lenkautomatik durch Reihentaster führt das Gerät
selbstständig durch die Zuckerrüben-Reihen, zwei lenkbare Achsen und ein zusätzliches
Knickgelenk ermöglicht ein spurversetztes Fahren, verteilt so den Druck auf
eine möglichst große Fläche und verhindert eine Geleisebildung. Die riesigen
Terrareifen mit ihrem geringen Bodendruck (nicht mehr als ein PKW) tragen weiter
zur Bodenschonung bei.
Die Anbauwerkzeug vorne ernten die Rüben
in dem sie die verschiedenen Arbeitsschritte vollautomatisch durchführen:
das Abschneiden der Blätter ( Silage oder Einackern), das Nachköpfen,
das Roden, das Reinigen und Sieben. Es haftet nur noch ca 10% Erde an den Rüben,
was einen guten Preis garantiert.
Der Fahrer hat bei den Arbeiten ständig
die Kontrolle per Bildschirm und
die nötigen Regulierungen erfolgen durch Computersteuerung. Ebenso werden schon beim Ernten die entsprechenden Daten über
Bearbeitungsfläche, Zeiteinsatz usw. erfaßt und liegen so bei Abschluß der
Ernte als Auswertung für das entsprechende Feld vor. Die Rüben wandern nun in
den Bunker auf dem Fahrzeug und werden über ein Entladeband auf Mieten befördert.
Hier lagern sie bis zur Abholung und dem Transport zur Zuckerfabrik durch die entsprechende Transportgemeinschaft. Aus dem durchschnittlichen Ertrag von ca 600 Doppelzentnern pro Hektar entstehen dann ca 100 Doppelzentner Zucker.
Auf dem gleichen Weg wie die Zuckerrüben vom Feld fuhr nun die ArGe-Gruppe nach Regensburg und sammelte sich an der Pförtnerloge zur Begrüßung. Als erstes erfuhren die Kinder unter 16 Jahren, daß sie an der Werksbesichtigung aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen konnten. Sie wurden aber während dem Rundgang in der Werkskantine aufs Beste versorgt.
Nach der Begrüßung wurde an Hand eines Informations-Films die Regensburger Zuckerfabrik als eines der 42 Werke ( das größte Werk ist in Plattling, Regensburg steht an Stelle 4) des in Europa führenden Unternehmens vorgestellt. Neben der Herstellung des Zuckers betreibt die Gesellschaft mit ihren verschiedenen Partnern auch dessen Verbrauch. Vor allem die Sparten Speiseeis und Tiefkühlkost sind hier zu nennen. Die Aktionäre der Gesellschaft sind überwiegend Rübenanbauer, die auch zur Philosophie des Unternehmens „Partnerschaft mit der Natur“ stehen.
Eine stetige Entwicklung der Technik und die ackerbaulichen Empfehlungen des Bodengesundheitsdientes zur Bodenbearbeitung und Düngung verbessern das Ernteergebnis laufend und tragen zur umweltschonenden Produktion des Zuckers bei. Eine Qualitätskontrolle jeder Fuhre ermittelt den Zuckergehalt und den Anteil von Nebenstoffen. Daraus resultiert dann der qualitätsbedingte Preis für die Rüben (12-3,50/dz).
In Regensburg werden ca. 12000t pro Tag, d.h. 500t/h rund um die Uhr verarbeitet. Das Anbaugebiet umfaßt rund 14500 ha in den Bezirken Ober- und Niederbayern, sowie der Oberpfalz das von ca 2800 Landwirten bearbeitet wird. Seit nunmehr 6 Jahren erfolgt der Transport der Rüben durch LKWs, da die Bahn ihren Transport aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt hat. Die überwiegende Lagerhaltung findet auf den Feldern statt, dies wird durch eine Spätlieferprämie den Landwirten schmackhaft gemacht. Die Anlieferung durch die Transportgemeinschaften erfolgt „Just in Time“, so daß die Zuckerrüben von 6°° bis 21°° im Minutentakt abgekippt werden.Auf dem Werksgelände lagern lediglich für einen Tag Rüben zur Reserve (Feiertag). Die Zuckerrüben-Kampagne 1999 dauert vom 28.9 bis zum 15.12.
Nach dem an Hand des Informations-Films
die Qualitätsansprüche und Arbeitsschritte bei der Zuckerherstellung erläutert
wurden, ging es nun zur Werksbesichtigung. Ausgestattet mit Schutzhelmen machte
sich die Besucherschar in zwei Gruppen auf den Weg um zu sehen, wie aus 7 kg Rüben , während einem 10 stündigen
Verarbeitungsprozeß ca. 1 kg Zucker entsteht.
Nach dem Anliefern werden die Zuckerrüben gewaschen und in zerschnitten. Die pommesähnlichen Zuckerrübenschnitzel werden nun mit ca 70° heißem Wasser abgebrüht. Dabei öffnen sich die Poren und die Inhaltssoffe der Zellen werden ausgewaschen. Nun wird der sogenannte Rohsaft aus den Schnitzeln, die getrocknet zu Viehfutter verarbeitet werden, gepreßt. Der Rohsaft wird nun mit Kalkmilch und Kohlendyoxid (beides aus dem eignen Kalkofen) versetzt, dies führt zur Abscheidung der Nebenstoffe. Der anfallende Kalkschlamm wird gepreßt und getrocknet zum sogenannten Karbokalk, der wiederum als landwirtschaftlicher Dünger auf den Feldern eingesetzt wird.
Nun erfolgt der Eindickungsprozeß,
wobei der Rohsaft von 15 auf 70% durch Kochen unter Vakuum (dadurch ist eine
geringere Temperatur nötig) eingedickt wird. Die benötigte Energie ( sie
entspricht pro Stunde dem Verbrauch eines Zweifamilien-Hauses in zwei Jahren)
wird in der betriebseigenen Kraft-Wärmekopplungsanlage (Gas oder
Öl) erzeugt. Hierbei ergibt sich ein Überschuß von 2000kW/h die ins
Netz eingespeißt werden. Die Gesamtleistung beträgt 14000kw/h, die entspricht
etwa dem Verbrauch der Stadt Kehlheim. Das benötigte Kühlwasser wird aus der
Donau entnommen und erwärmt sich um 8-10°, die Menge entspricht dem Verbrauch
von ca. 4000 Einwohnern proTag.
Das beim Rübenwaschen anfallende
Abwasser (Schlamm, Rübenreste, Inhaltsstoffe) wird in der werkseigenen Kläranlage
gereinigt und fließt mit einem Reinigungsgrad von 95% zurück in die Donau. Die
Rückstände werden im Kompostwerk Regensburg oder in der eigenen Biogasanlage
verarbeitet.
Nach der Kristallisierung wird die Masse
ausgeschleudert, nach gekocht und nochmals ausgeschleudert. Dabei trennen sich
die Zuckerkristalle von den nicht kristallisierenden Besandteilen, der Melasse .
Diese wird wiederum mit den Schnitzeln zu Tierfutter verarbeitet.
Im Werk Regensburg lagern dann ca 125000
to ( dies entspricht dem Jahresverbrauch von ca 3,8mio Verbrauchern). In
Regensburg werden nur 50kg Säcke und Großgebinde abgefüllt, die an Großverbraucher
in alle Welt ( u.a. Großbritannien, Rußland, Israel) verkauft werden.
Wurden vor 40 Jahren beim Verarbeiten
von ca 4000 to pro Tag ca 1500 Arbeitskräfte eingesetzt, so werden heute
12000to/Tag von 200 Mitarbeitern (in 3 Schichten) verarbeitet.
Abschließend wurde die Besuchergruppe zu einer deftigen Brotzeit eingeladen. Hierbei bedankte sich Vorsitzender Klaus Storm bei den beiden Führern für ihre interessanten Vorträge und natürlich für die erhaltene Brotzeit und die „Zuckertüte“, gefüllt mit Informationen, Rezepten und natürlich einigen Zuckerwürfeln für den Kaffee zu Hause..
Während der Brotzeit hielt Herr Singer vom Amt für Landwirtschaft ein kleines Refarat über die Bedeutung der Zuckerrübe im Landkreis Straubing -Bogen. Wir erfuhren, daß die Zuckerrübe tiefgründige, nährstoffreiche und flache Böden braucht,. Dies spiegelt sich in den folgenden Zahlen wieder. Der Anteil der Zuckerrübe beträgt im Gäuboden 33%, in Mallersdorf 20% und in Holztraubach nur 10%. Die Aussaat erfolgt im März-April (70-80 000 Pflanzen/ha) und nach 180Tagen erfolgt die Ernte. Die Zuckerrübe enthält 15-18% Zucker (Zuckerrohr 10-12%) und sollte in 3-4jähr.Fruchtfolge angebaut werden. Zuckerrüben gehören zu den wenigen landwirtschaftlichen Produkten, für die keine Ausgleichszahlungen erfolgen.
Der Landkreis Straubing –Bogen ist führend in Bayern beim Anbau von Zuckerrüben. Waren
es 1900 lediglich 76ha, 1950 nur 1900ha und 1960 schon 3500ha, so wurden 1980
bereits 9500ha (16% der Anbaufläche) angebaut. In ganz Bayern werden ca Bayern
80000ha Zuckerrüben angebaut. Bei den Neu – Züchtungen
wird vor allem auf den Zuckergehalt, und die Resistenz gegen Krankheiten Wert
gelegt. So genannten Genrübe werden nach Auskunft der Zuckerfabrik nicht in nächsten
5 Jahren verarbeitet.
Große Fortschritte wurden bei der
gezielten Düngung der Zuckerrübenkulturen erzielt. Wurde bis 1950 ohne Düngung
gearbeitet, stieg der Düngereinsatz 1960 auf 300-400kg/ha. Heute, durch Qualitätskontrollen
überwacht und durch Bodenproben und Düngeempfehlung unterstützt verwenden die
Landwirte nur noch 40-100kg/ha. Ebenso wurde der
Pflanzenschutz auf 3maliges
Spritzen und mehrere mechanische Hackgänge reduziert.
Rainer Pasta