Rola, die Weinbrand- und Likörfabrik aus Rottenburg

Rottenburgs bekannteste Firma, die Weinbrand- und Likörfabrik Rola, hatte ihr Stammhaus in Oberschlesien in Beuthen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in Rottenburg in der amerikanischen Zone wieder aufgebaut.

Der Bau des jetzigen Fabrikgebäudes begann 1947 im Ortsteil Nieder- Oberhatzkofen. Nach der Fertigstellung des Gebäudes wurde die Fertigung dorthin umgesiedelt. Die Rola (Rückforth) entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem der größten Spirituosenhersteller in Bayern. Zur Zeit gehört sie sogar zu den größten in Deutschland.

Die zur Produktion notwendigen Kräuter, im Fachjargon “Drogen", kommen aus aller Welt, zum Beispiel Kümmel aus Polen oder die Taiga-Wurzel aus Rußland. Die circa 60 verschiedenen Drogen kommen teilweise, wie Pfefferminze, aus Plantagen, oder werden wild gesammelt, wie Enzian oder Bärwurz. Größtenteils haben die Kräuter heilende Wirkung. Etwa 70% der verarbeiteten Aromen werden im Betrieb hergestellt. Der Rest wird aus dem Gebiet der EU hinzugekauft.

Die zwei gebräuchlichsten Auszugsmethoden sind die Destillation und die Mazeration.

In der Rola werden hergestellt: 

Jagdbitter, Stronzdorfer und Bonekamp durch Mazeration, klare Spirituosen, wie Wodka, Gin, Wacholder und Aquavit durch Destillation. Produziert werden ebenfalls Eierlikör, Edelkirsch, verschiedene Sahneliköre, Apfellikör und Weinbrände.

Die Firma Rola ist der zweitgrößte Eierlikörhersteller in Deutschland. Eierlikör wird aus Eigelb, Eiweiß zur Stabilisation, Zucker, Alkohol, Wasser und natürlichen Aromastoffen hergestellt; es werden nur Eier der Güteklasse 1 verarbeitet. Ein Teil der Eier, etwa 200.000 Stück pro Woche, werden im Betrieb aufgeschlagen, der andere Teil wird zugekauft. Diese Zutaten werden unter ständigem Rühren auf 60°C erhitzt  und dort bei konstanter Temperatur 20 Minuten lang gerührt. Dieser Erhitzungsprozess bewirkt die Emulsion. Anschließend wird der Eierlikör auf 20°C gekühlt und abgefüllt.

In der Fabrik wird kein Alkohol produziert. Der Alkohol wird zu 100% von der Reichsmonopolverwaltung zugekauft. Die Rola beschränkt sich auf das Mischen von Alkohol.

Lose Ware, die unabgefüllt, unetikettiert, als reiner Rohstoff kommt, wird aus der ganzen Welt eingekauft.

Cognac wird eingeführt, abgefüllt und kommt auf den Markt. Der Cognac V.S.O.P der länger gelagert wird, wird bereits abgefüllt gekauft. Er ist  Importprodukt. In der Fachsprache wird er als “Handelsware" bezeichnet.

Ebenfalls zur losen Ware zählen der schottische Whisky, der von 67% vol auf 40% durch Wasser reduziert wird, “Williams Birne" aus Südtirol,  von 70% auf Trinkstärke von 40% verdünnt wird,  “Comte de St. Maurice" aus Frankreich,  “Bessen Genever", ein Johannisbeerlikör, der weiße Rum, Typ Baccardi, von den West Indischen Inseln, und original Jamaikarum, ein brauner, verstärkter Rum, der vor allem in Europa getrunken wird. Dazu kommen noch verschiedene Liköre und Akropolis, Typ  Metaxa, aus Griechenland. Als Handelsware werden Ouzo aus Griechenland und Grappa aus Italien eingeführt.

In der Rola gibt es ein offenes Branntweineigenlager (BEL), dort ist der Liter Alkohol noch nicht versteuert. Der Alkohol wird bei Entnahme zum Verkauf ins Inland mit 25,50 DM/LA (Liter Alkohol) besteuert. Bei der Lieferung von einem BEL in ein anderes BEL oder ins europäische Ausland, erfolgt die Lieferung unter Aussetzung der Branntweinsteuer.

Seit 1994 kontrolliert der Zoll den Alkohol mittels Branntweinbegleitscheinen.

Die zuständige Zollbehörde überprüft bei der jährlichen Inventur die Vollständigkeit der Branntweinlagerbuchführung im Betrieb. Dabei werden der Warenzu- und abgang und der Schwund, der im Laufe eines Jahres entsteht, berechnet. Solange der Schwund unter einem gesetzlichen Minimum bleibt und er von einem Jahr zum anderen nicht zu sehr schwankt, geschieht nichts. Falls aber der Schwundsatz überschritten wird, muß der Betrieb für jeden Liter die Branntweinsteuer zahlen.

Die Firma Rola trägt durch ihre Aktivitäten den Namen Rottenburgs weit über den engeren Bereich unserer Heimat hinaus und zeigt eindrucksvoll die vielfältigen Verflechtungen Europas auf.

Veronika Stapfer, 11d     11/2000